- Impressum ist ein deutsches Konzept
- Auf Websites heißt Impressum nicht imprint
- Imprint wird nur bei Druckmedien verwendet – aber auch dann anders
- Wie man Impressum auf Englisch richtig übersetzt
Die Antwort lautet schlicht und ergreifend, dass es auf Englisch für
Impressum keine einheitliche Bezeichnung gibt, weil es den Begriff von Impressum auch nicht gibt. Die gesetzliche Pflicht, auf einer Website ein Impressum anzugeben, besteht nämlich nur in den deutschsprachigen Ländern. In Deutschland z.B. wird diese durch das
Telemediengesetz geregelt.
In den englischsprachigen Ländern existiert hingegen kein gesetzliches Pendant hierzu. Somit unterliegen Website-Betreiber in diesen Ländern keiner Impressumspflicht und haben dementsprechend keine Bezeichnung dafür. Schauen Sie einige Websites aus England oder den USA an, so stellen Sie fest, dass Angaben zum Urheber und zur verantwortlichen Person oft fehlen.
Doch die Impressums-Frage ist offensichtlich derart wichtig, dass ihr sogar der eigene Wikipedia-Artikel gewidmet ist. Wohl bemerkt, ein
Artikel auf der englischsprachigen Wikipedia über den
deutschen Begriff
Impressum. Die Frage muss geklärt werden. Also:
Das ist doch einfach, wenden Sie ein: Man sieht doch oft auf englischsprachigen Websites den Begriff
imprint – sogar Google Translate schlägt es vor. Das stimmt,
imprint ist zwar in starkem Gebrauch als Übersetzung für
Impressum, und hat fast für sich den Status der Standardübersetzung behauptet. Eine
Umfrage aus dem Jahr 2017 stellte fest, dass 51% der Befragten die Bezeichnung verwendeten.
Trotzdem ist imprint als Übersetzung für Impressum falsch. Im Kontext des Webauftritts hat der Begriff imprint gar keine Bedeutung und löst bei englischen Muttersprachlern komplette Verwirrung aus. Das Erste, woran man beim Wort imprint denkt, ist 'Aufdruck'. Man rätselt nur, was für ein Aufdruck auf einer Website wohl gemeint sein könnte.
Und in der Tat entpuppen sich die vielen englischsprachigen Websites mit imprint in der Fußzeile als Auftritte von Firmen mit Sitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Gibt man ‚imprint website‘ als Suche in Google ein, sind die Ergebnisse fast ausschließlich aus Deutschland – ein klares Zeichen, dass die Sache nicht stimmt. Kurz gesagt: Imprint ist Denglish.
Das
imprint ist auch extrem hartnäckig. Das Unwort hat eine Eigendynamik entwickelt, denn einige deutschsprachige Firmen benutzen es, gerade weil es so viele andere bereits tun. Es hat sich inzwischen derart eingenistet, dass die englischsprachige Wikipedia für das englische Wort
imprint sogar eine
neue Weiterleitung angelegt hat – zum deutschen Begriff
Impressum! Leider bringt das nicht viel, zum Einen weil es zirkulär ist, und zum Anderen, weil es für uns native speaker immer noch eine Null-Aussage bleibt.
Das englische Wort imprint bezieht sich richtigerweise nur auf Druckmedien. So ist das Missverständnis wohl auch entstanden. Da viele Wörterbücher für Impressum imprint angeben, auch ohne Verweis, dass dies ausschließlich auf gedruckte Medien zutrifft, wurde imprint vermutlich für ein generelles Pendant zu Impressum gehalten und auf Websites falsch übertragen. Doch wo nichts mehr aufgedrückt (imprinted) wird, bleibt der Sinn auf der Strecke.
Imprint bei Druckmedien wird meistens verstanden als ein Vermerk vorne in einem Buch bzw. in einer Zeitschrift, das Informationen zum Herausgeber liefert. Man könnte daraus schließen, dass zumindest für Druckmedien
imprint richtig wäre. Aber auch hier täuscht man sich. Das Wort wird mit dieser Bedeutung in der englischsprachigen Welt eigentlich kaum verwendet, sondern ganz anders:
Imprints sind quasi
die verschiedenen Marken einer Verlagsgruppe. In deutsche Verhältnisse übertragen wären z.B. Nomos Verlag ein imprint von C. H. Beck, und Carl Heymanns Verlag einer von Wolters Kluwer.
Wenn man englischsprachige Bücher, Zeitschriften oder Broschüren anschaut, steht, wo auf Deutsch Impressum stünde, normalerwiese rein gar nichts. In der Regel stehen die Verleger-Informationen alleine ohne Überschrift. Ohne imprint, ohne masthead. Schauen Sie in ein englisches Buch selbst.
Wir haben also mit der falschen Übersetzung aufgeräumt, wissen aber immer noch nicht, was man für Impressum alles sagen kann. Auch wenn in England und Amerika keine Impressumspflicht herrscht, müssen Sie ja schließlich auf Ihrer englischsprachigen Website in Deutschland immer noch ein Impressum angeben. Wie soll es denn richtig heißen?
Diverse Wendungen kommen in Frage. Folgende Begriffe sind für Websites gängig und funktionieren alle:
- Legal notice
- Legal disclosure
- Legal information
- Site information
- Site notice
Und auf Druckmedien schreiben Sie am besten: nichts.